Festschrift zur Festakademie 2005

Einleitung und Grußworte
Dr. Bernhard Egen, Vorsitzender des Altherrenvereins des KStV Markomannia / Domkapitular Msgr. Martin Hülskamp Bischöflicher Offizial des Bistums Münster
Der katholische Studentenverein Markomannia ist ein Zusammenschluss von etwa 50 aktiven Studenten und gut 500 im Beruf stehenden Mitgliedern. Auf der Basis der selbst gewählten Prinzipien Religion - Wissenschaft -Freundschaft bildet er eine Lebensgemeinschaft, die über die kurze Zeit des Studiums hinausreicht, Bindungen zwischen den aktiven und ehemaligen Studenten schafft und stets den generationenübergreifenden Austausch und Dialog in den Mittelpunkt stellt. So wird einerseits gewährleistet, dass die im Beruf stehenden Akademiker die Beziehung und das Verständnis für die heutige Situation der Hochschule und der Studenten im Blickfeld behalten, andererseits die Studenten Verständnis und Einblick in die Aufgaben und Anforderungen des beruflichen Lebens erlangen. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit Fragen der Zeit soll den Blick für gesellschaftlich relevante Fragen schärfen, zur Formung sozialer Kompetenz beitragen und die Studenten und Akademiker qualifizieren und ermutigen, sich auch außerhalb der Universität sozial und gesellschaftlich engagieren.
Seit einigen Jahren widmet sich die Markomannia intensiv der Verständigung mit unseren östlichen Nachbarn, speziell der deutsch-polnischen Partnerschaft. „Kirche im Sozialismus und in der freien Marktwirtschaft", „Christentum, Wertekonsens und Europäische Identität: Unsere Herausforderung für das neue Jahrtausend", „Christliches Menschenbild und Gottesbezug im Verfassungsentwurf der Europäischen Union" oder „Kirche nach der Wende - Zur Situation der Katholiken in Mittel- und Osteuropa" seien nur beispielhaft als Themen von Veranstaltungen genannt. Im Jahr 2001 wurde aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Markomannia eine Spendenaktion durchgeführt, welche zwei polnischen Priestern aus Lublin ein Studium in Münster ermöglicht hat.
Höhepunkt dieser Bestrebungen war ohne Zweifel die Festakademie „Das Evangelium als Seele des erweiterten Europa" am 5 Juni 2005 unter der Schirmherrschaft des Regierungspräsidenten von Münster, Dr. Jörg Twenhöven. Als Beitrag zum Jubiläum 1200 Jahre Bistum Münster war sie für uns Ausdruck, dass die Einigung Europas ohne das Fundament des christlichen Glaubens undenkbar ist. Zugleich sollte sie der Förderung der europäischen Verständigung dienen, schließlich die besondere Bedeutung der Städtepartnerschaft Münster - Lublin herausstellen.
Die große Resonanz dieser Akademie, insbesondere die ergreifenden und mit großer persönlicher Anteilnahme vorgetragenen Ansprachen von Msgr. Dr. Józef Miroslaw Zycinski, Erzbischof von Lublin, und Msgr. Dr. Josef Homeyer, Bischof em. von Hildesheim, haben uns veranlasst, diese kleine Broschüre herauszugeben, die Texte zu bewahren und einem größeren Kreis Interessierter zugänglich zu machen.
Mit besonderer Freude erfüllt uns die Tatsache, dass die geknüpften Kontakte ihre Fortsetzung erfahren werden. Auf Einladung des Herrn Erzbischofs von Lublin wird eine Gruppe von mehr als 50 Teilnehmern im September 2006 zu einem Gegen-Besuch nach Polen aufbrechen und sich in Warschau, Lublin und Krakau im Rahmen verschiedener Begegnungen mit der deutsch-polnischen Geschichte, Politik und Situation der Kirche auseinandersetzen.
Möge diese Fahrt ein weiterer Baustein des Hauses Europa sein, an dessen Errichtung mitzuwirken wir alle aufgefordert sind!
Dr. Bernhard Egen / Martin Hülskamp
DER BISCHOF VON MÜNSTER
Verehrte Damen und Herren, „Das Evangelium als Seele des erweiterten Europa" - mit diesem kraftvollen Wort hat die Markomannia im vergangenen Jahr zu einer Festakademie geladen, die in besonderer Weise der deutsch-polnischen Freundschaft gewidmet war.
„Das Evangelium als Seele Europas" - das bedeutet, die innere Mitte unserer Staatengemeinschaft ist das Evangelium der Versöhnung, das Evangelium vom Leben.
Die Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts hat tiefe Wunden im Verhältnis der Völker Europas hinterlassen. Versöhnung und gemeinsames Leben in einer Gemeinschaft kann man jedoch weder befehlen noch vertraglich verordnen. Versöhntes Leben muss vielmehr von innen kommen, von Herzen, aus der Seele. Und diese Seele ist in Europa, das kann niemand bezweifeln, durch und durch christlich geprägt.
Darum haben wir keinen Grund, uns zu scheuen, für unsere christliche Sicht von Mensch und Welt in unserer Gesellschaft und in Europa einzutreten. Denn eine Gesellschaft ohne Religion, ohne Gott, schneidet sich unweigerlich selbst von der wichtigsten Ressource innerer Sinnstiftung ab: Ein Europa ohne Evangelium wäre ein Europa ohne Seele. Aufgabe der Christen ist es darum, immer wieder werbend dieses Evangelium, die christliche Perspektive auf Mensch und Welt, in die gesellschaftliche Diskussion hineinzutragen.
Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen vorliegende Broschüre gleichsam als 'Botschafterin' eines von innen her erneuerten Europa zu empfehlen. - Mögen die darin gesammelten Beiträge reiche Frucht tragen! Mit herzlichen Segenswünschen Ihr
Reinhard Lettmann